Pad, Scheibe oder Bürste? Reinigungswerkzeuge für Roboter und Maschinen richtig einordnen
Sebastian Hosbach · 01. Juli 2026
- Scheiben
- Tellerscheiben
- Bürsten
- Tellerbürsten
Auf dem Datenblatt eines Reinigungsroboters steht „Walzenbürste“, beim Zubehör des Scheuersaugautomaten liegen plötzlich rote, grüne und schwarze Scheiben in der Ecke – und die entscheidende Frage bleibt offen: Welches Werkzeug gehört eigentlich auf welchen Boden? Wer hier falsch greift, riskiert im besten Fall ein mageres Reinigungsergebnis, im schlechtesten Kratzer im Belag oder eingebrannte Streifen, die sich nicht mehr entfernen lassen.
Dieser Beitrag ordnet die drei Grundsysteme – Pad, Tellerbürste und Walzenbürste – sauber ein, erklärt die Farbcodierung der Pads und zeigt, welches System in den gängigen Reinigungsrobotern tatsächlich verbaut ist. Ohne Herstellermarketing, mit Blick auf das, was im Objekt zählt.
Reinigungspads und ihre Farben
Ein Pad ist im Kern eine scheibenförmige Vliesscheibe aus Polyester- und/oder Polyamidfasern. Es ersetzt an einer Einscheiben- oder Scheuersaugmaschine die Bürste: Statt einer Tellerbürste wird ein Treibteller (Padhalter) montiert, auf den das Pad aufgesetzt wird. Die eigentliche Reinigungswirkung entsteht durch die Fasern und – je nach Pad – durch eingearbeitete Schleifkörper.
| Farbe | Abrasivität | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Weiß | keine / kaum | Polieren, Hochglanz-Politur, sehr empfindliche Oberflächen |
| Beige | sehr gering | Polieren, Wachs einmassieren |
| Rot | leicht | Unterhaltsreinigung, Sprayreinigung, mildes Scheuern (das meistgenutzte Pad) |
| Blau | leicht bis mittel | Zwischen- und Unterhaltsreinigung, leichtes Nassscheuern |
| Grün | mittel | Nassscheuern, leichte Grundreinigung, Entfernen alter Pflegefilme |
| Braun | stark | Grundreinigung / Entschichtung, v. a. Linoleum |
| Schwarz | sehr stark | Grundreinigung / Entschichtung von PVC, Fliesen, unempfindlichen Steinböden |
Die Farbe signalisiert die Aggressivität. Als Faustregel gilt: Je dunkler das Pad, desto abrasiver die Wirkung. In der Praxis hat sich über die Hersteller hinweg folgende Abstufung etabliert:
Farbe Abrasivität Typischer Einsatz Weiß keine / kaum Polieren, Hochglanz-Politur, sehr empfindliche Oberflächen Beige sehr gering Polieren, Wachs einmassieren Rot leicht Unterhaltsreinigung, Sprayreinigung, mildes Scheuern (das meistgenutzte Pad) Blau leicht bis mittel Zwischen- und Unterhaltsreinigung, leichtes Nassscheuern Grün mittel Nassscheuern, leichte Grundreinigung, Entfernen alter Pflegefilme Braun stark Grundreinigung / Entschichtung, v. a. Linoleum Schwarz sehr stark Grundreinigung / Entschichtung von PVC, Fliesen, unempfindlichen Steinböden
Wichtig für die Praxis: Diese Farbskala ist nicht genormt, sondern praxisüblich. Sie kann je nach Hersteller leicht abweichen – ein Blick auf das jeweilige Datenblatt lohnt sich immer. Und ein verbreiteter Irrtum: Ein helleres Pad ist nicht zwangsläufig „weicher“. Häufig sind die Schleifkörner lediglich feinkörniger, nicht grundsätzlich milder. Wer allein nach Farbe greift, ohne den Belag zu kennen, kann sich täuschen.
Neben den klassischen Superpads gibt es Spezialpads – etwa Diamantpads (feine Diamantpartikel im Vlies) zum Aufpolieren und Kristallisieren von Steinböden oder Melaminpads für hartnäckige Anhaftungen. Beide haben einen hohen Reibwiderstand und können, das ist bei Robotern und Akkumaschinen relevant, die Laufzeit spürbar verkürzen.
| Kriterium | Tellerbürste | Walzenbürste |
|---|---|---|
| Bester Boden | glatt, geschlossen (Linoleum, PVC) | Gumminoppen |
| Mechanische Tiefenwirkung | mittel | hoch |
| Grobschmutzaufnahme | nein (Vorkehren nötig) | ja (integrierte Kehrfunktion) |
| Anpressdruck / Drehzahl | niedrig | hoch (≈ 6–8× höher) |
| Verschleiß / Verbrauchskosten | gering | hoch |
| Risiko Belagschaden | gering | Einbrenner / Barcode auf weichen Belägen |
| Flexibilität | gering (feste Borste) | mittel |
| Einfluss auf Akkulaufzeit | gering | mittel |
Der Zielkonflikt in einem Satz: Weich kauft man sich mit Laufruhe und Dichtwirkung, hart mit Standzeit und Öl-/Belagsbeständigkeit.
Kriterium Weiche Sauglippe (z. B. blau, Naturkautschuk) Harte Sauglippe (z. B. rot/PU) Anpassung an Unebenheiten sehr gut mäßig Geräuschentwicklung leise (kein Pfeifen) kann pfeifen/lauter sein Bester Einsatz leise/belegte Bereiche, Glattböden, Tagbetrieb strukturierte Böden, Industrie, hohe Schmutzlast Ölbeständigkeit meist nein in der Regel ja (PU) Standzeit / Verschleiß geringer (schnellerer Verschleiß) höher (langlebiger) Abstreif-/Trockenergebnis sehr gut auf ebenen Böden robust auch unter Druck
Praxis-Tipp: Sauglippen sind beidseitig nutzbar – ist eine Kante abgenutzt, verlängert Umdrehen die Standzeit, bevor ein Austausch nötig wird. Und für die Beschaffung gilt dasselbe wie bei Bürsten: nach Material und Shore-Härte fragen, nicht nach der Farbe. Für einen Roboter, der tagsüber durch eine Hotellobby fährt, ist die leise, weiche Lippe kein Detail, sondern ein Akzeptanzfaktor beim Kunden.
Bürste oder Pad – und wenn Bürste, welche?
In der maschinellen Bodenreinigung stehen drei Werkzeuge zur Wahl. Sie unterscheiden sich weniger im Prinzip als in Anpressdruck, Drehzahl und Auflagefläche – und genau daraus ergeben sich die Einsatzgrenzen.
Tellerbürste (Scheibenbürste)
Die scheibenförmige Bürste liegt flach auf dem Boden und dreht mit vergleichsweise niedriger Drehzahl (je nach Maschine etwa 150 bis 300 U/min). Der Klassiker aus mittelharter Nylon-/Polyamidborste ist der Allrounder, der einen Großteil der Standardaufgaben souverän erledigt. Ihre große Auflagefläche macht sie stark auf glatten, geschlossenen Böden wie Linoleum oder PVC – die typischen Flure, Büros und Eingangsbereiche.
Der Nachteil: In Fugen und strukturierten Belägen kommt sie nicht in die Tiefe, weil sie nur auf der erhabenen Fläche aufliegt. Und: Reine Tellerbürsten-Systeme nehmen keinen Grobschmutz auf – hier muss in der Regel vorgekehrt werden.
Walzenbürste (zylindrisch)
Die Walze dreht deutlich schneller (oft um die 850 U/min, in Spezialmaschinen bis 1.500) und presst über eine viel kleinere Auflagefläche – der Anpressdruck pro Fläche liegt grob beim Sechs- bis Achtfachen einer Tellerbürste. Das Ergebnis ist eine hohe mechanische Wirkung, die in Fugen, Mörtelrillen, Gumminoppen- und strukturierten Belägen ihre Stärke ausspielt. Ein praktischer Zusatznutzen: Viele Walzensysteme haben eine integrierte Kehrfunktion, nehmen Grobschmutz also direkt mit auf – das Vorkehren entfällt.
Diese Leistung hat einen Preis. Durch die kleine Auflagefläche und die hohe Drehzahl verschleißen Walzenbürsten schneller und verursachen höhere Verbrauchskosten. Auf weich beschichteten Böden droht bei stehender oder zu langsam geführter Maschine der gefürchtete „Einbrenner“ – helle, walzenlange Streifen durch lokales Aufschmelzen des Belags. Verwandt ist der Barcode-Effekt: Querstreifen, wenn das Tempo ungleichmäßig ist. Deshalb gilt die Walzentechnik eher als Problemlöser für schwierige Beläge denn als pauschaler Ersatz für die Tellerbürste.
Pad auf Treibteller
Das Pad läuft auf demselben Antrieb wie eine Tellerbürste, nur mit Padhalter statt Bürste. Es ist das Werkzeug der Wahl, wenn es nicht ums Schrubben, sondern ums Polieren, Entschichten, Kristallisieren oder die schonende Zwischenreinigung geht – oder wenn über die Farbabstufung eine gezielte Abrasivität gebraucht wird, die eine feste Borste nicht liefert. Der Kompromiss: geringe mechanische Tiefenwirkung in Fugen und, bei aggressiven Spezialpads, ein spürbarer Einfluss auf die Laufzeit.
Vor- und Nachteile im direkten Vergleich
Kriterium Tellerbürste Walzenbürste Pad (Treibteller) Bester Boden glatt, geschlossen (Linoleum, PVC) strukturiert, Fugen, Gumminoppen glatt, beschichtet, empfindlich Mechanische Tiefenwirkung mittel hoch gering bis mittel (je nach Pad) Grobschmutzaufnahme nein (Vorkehren nötig) ja (integrierte Kehrfunktion) nein Anpressdruck / Drehzahl niedrig hoch (≈ 6–8× höher) niedrig Verschleiß / Verbrauchskosten gering hoch mittel (Spezialpads teuer) Risiko Belagschaden gering Einbrenner / Barcode auf weichen Belägen gering, bei falscher Farbe Kratzer Flexibilität gering (feste Borste) mittel hoch (Farbabstufung wählbar) Einfluss auf Akkulaufzeit gering mittel hoch bei Diamant-/Melaminpads
Kurz gefasst: Die Tellerbürste ist der zuverlässige Allrounder für glatte Flächen, die Walzenbürste der kraftvolle Spezialist für strukturierte Böden mit erhöhtem Kosten- und Schadensrisiko, das Pad das flexible Werkzeug für Politur, Entschichtung und empfindliche Oberflächen.
Welches System steckt in welchem Roboter?
Hier zeigt sich der spannendste Unterschied zwischen manueller Reinigung und Robotik. In der handgeführten Welt dominiert die Tellerbürste mit ihrem breiten Padsortiment. Reinigungsroboter setzen dagegen fast durchgängig auf Walzenbürsten – aus gutem Grund: Die integrierte Kehrfunktion erspart das manuelle Vorkehren, und genau das ist Voraussetzung für einen wirklich autonomen Betrieb ohne menschliches Zutun.
Ein Blick auf gängige Modelle (Herstellerangaben, Stand 2026):
Gausium Phantas – kompakter All-in-One-Roboter: vorne Walzenbürste plus Kehrer, hinten Wischwalze und Saugleiste (Squeegee). Reines Walzensystem, kein Scheibenschrubben.
Pudu CC1 / CC1 Pro – 4-in-1-Plattform mit Walzenbürste und Squeegee. Zu beachten: Beim Wechsel zwischen Saug- und Schrubbmodus muss die Rollbürste (bzw. der Filterkorb) getauscht werden – eine dokumentierte Fehlerquelle, die bei falscher Handhabung die Absaugung beschädigen kann. Der CC1 Pro reinigt Walzenbürste und Squeegee an der Station selbsttätig.
Gausium Scrubber 50 Pro – erhältlich in zwei Varianten: als Disc-Version (Scheibenbürste) und als Roller-Brush-Version (Walzenbürste, ca. 760 mm Schrubbreite inkl. Seitenbürste). Ein seltener Fall, in dem der Käufer das System aktiv wählen kann.
Gausium Scrubber 75 – Industrieroboter, der beide Welten kombiniert: Walzenbürsten für Grobschmutz und Kehren, Scheibenbürsten fürs Tiefenschrubben, mit Moduswechsel je nach Boden.
Gausium Mira (Neuvorstellung) – vereint Kehren (Seiten- plus Walzenbürste) und Schrubben (Scheibenbürste) in einem Durchgang.
Und die Pads? Padsysteme spielen bei Robotern bislang eine Nebenrolle. Ein Treibteller mit Pad lässt sich prinzipiell nur auf Plattformen mit Scheibenbürsten-Antrieb montieren – reine Walzenroboter sind bauartbedingt bürstengebunden. Wer also die Flexibilität der Padfarben (Polieren, Entschichten, empfindliche Beläge) im automatisierten Betrieb braucht, sollte gezielt nach Disc-Plattformen und einer verfügbaren Padhalter-Option fragen. Diese Lücke wird von Herstellern selten offen kommuniziert, ist für die Objektplanung aber entscheidend.
Die Sauglippe: weich oder hart – und was die Farbe wirklich bedeutet
Am hinteren Ende jedes Scheuersaugroboters sitzt die Saugleiste mit den Sauglippen (englisch Squeegee). Sie streift das Schmutzwasser ab und führt es zur Absaugung – von ihr hängt ab, ob der Boden hinter dem Roboter trocken und streifenfrei ist oder ob Wasserränder und Schlieren zurückbleiben. Ein günstiges, aber wirkungsvolles Verschleißteil, das erstaunlich oft übersehen wird.
Häufig liegen einem Roboter Lippen in unterschiedlichen Farben bei – typischerweise Rot und Blau. Verbreitet ist die Annahme, dahinter stecke ein fester Standard. Das ist nicht der Fall. Anders als man vermuten könnte, gibt es für Sauglippenfarben keine herstellerübergreifende Norm. Die eigentlichen Stellgrößen sind Material (Naturkautschuk, Polyurethan/PU, Linatex, Neopren, Nitril) und Härte (angegeben in Shore A, praxisüblich zwischen etwa 35 und 90). Welche Farbe ein Hersteller welcher Härte zuordnet, ist von Baureihe zu Baureihe verschieden – in mancher Maschinenwelt ist gerade das rote Naturkautschuk-Material das weiche. Der Blick ins Datenblatt (Material + Shore-Härte) sagt mehr als die Farbe.
Was zählt, ist der Gegensatz weich gegen hart:
Weiche Lippe (niedriger Shore-Wert) – schmiegt sich besser an den Boden an, dichtet auch bei kleinen Unebenheiten sauber ab und läuft ruhiger. Genau deshalb sind weichere Lippen (in vielen Roboter-Baureihen die blauen) die bessere Wahl für leise Bereiche und den Tagbetrieb in belegten Räumen – Büros, Hotellobbys, Kliniken, Praxen. Auf glatten Böden vermeiden sie das typische Pfeifen, das härtere Lippen erzeugen können. Der Preis: Sie nutzen sich schneller ab und sind meist nicht ölbeständig.
Harte Lippe (hoher Shore-Wert, oft PU) – langlebiger, formstabiler und in der Regel ölbeständig. Sie hält höherem Anpressdruck stand und ist erste Wahl bei strukturierten Böden, hoher Schmutzlast und öligen Umgebungen (Werkstatt, Industrie, Tiefgarage). Dafür kann sie auf glatten Flächen lauter arbeiten und verzeiht Unebenheiten schlechter.
Der Zielkonflikt in einem Satz: Weich kauft man sich mit Laufruhe und Dichtwirkung, hart mit Standzeit und Öl-/Belagsbeständigkeit.
| Kriterium | Weiche Sauglippe (z. B. blau, Naturkautschuk) | Harte Sauglippe (z. B. rot/PU) |
|---|---|---|
| Anpassung an Unebenheiten | sehr gut | mäßig |
| Geräuschentwicklung | leise (kein Pfeifen) | kann pfeifen/lauter sein |
| Bester Einsatz | leise/belegte Bereiche, Glattböden, Tagbetrieb | strukturierte Böden, Industrie, hohe Schmutzlast |
| Ölbeständigkeit | meist nein | in der Regel ja (PU) |
| Standzeit / Verschleiß | geringer (schnellerer Verschleiß) | höher (langlebiger) |
| Abstreif-/Trockenergebnis | sehr gut auf ebenen Böden | robust auch unter Druck |
Was das für die Beschaffung bedeutet
Vor der Anschaffung lohnen sich drei nüchterne Fragen – unabhängig davon, ob es um eine Maschine oder einen Roboter geht:
Wie ist der Boden? Glatt und geschlossen spricht für Teller- oder Padsysteme, strukturiert oder mit Fugen für Walzentechnik. Weich beschichtete Beläge vertragen keine aggressive Walze bei stehender Maschine.
Was kosten die Verschleißteile im Betrieb? Walzenbürsten, Spezialpads und Sauglippen treiben die laufenden Kosten – die im Datenblatt gern unterschlagene, aber über die Jahre relevante Position. Herstellerangaben zu Standzeit, Material (Shore-Härte) und Ersatzteilpreisen einfordern.
Passt das Werkzeug zur Aufgabe – auch mittelfristig? Ein reiner Walzenroboter ist bei künftigem Polier- oder Entschichtungsbedarf nicht nachrüstbar. Wer Flexibilität braucht, prüft die verfügbaren Aufsätze vor dem Kauf.
Die Technik ist kein Selbstzweck. Ob rote Scheibe, Walzenbürste oder Diamantpad – entscheidend ist die ehrliche Abstimmung von Werkzeug, Boden und Reinigungsziel. Wer diese drei zusammenbringt, trifft eine belastbare Entscheidung, statt der Werksausstattung eines Datenblatts zu vertrauen.
robo-guru.de – die herstellerneutrale Plattform für gewerbliche Robotik im DACH-Raum. Fragen zu einem konkreten Modell oder Bodentyp? [Sprechen Sie uns an.]
Kommentare
Noch keine Kommentare — schreib den ersten!

